Editorial: Das Ego und die Endlichkeit

(Mannheim / 17.08.2018 – Ammiratus Review) In religiösen Kreisen sind sich die Menschen eher bewusst um das Ego. Das Ego ist dort sogar negativ behaftet, da es ein Gegenspieler religiöser Werte ist. Im täglichen Leben hingegen ist das Ego eher dem Selbst zuzuordnen und ist sogar eher positiv behaftet. Dort glaubt man, dass ein starkes Ego gleichbedeutend mit starkem Selbstbewusstsein ist.

In der Tat steckt in beiden Ansichten die Wahrheit. Das Ego ist das Zentrum des Selbst in der (inneren) immateriellen und in der (inneren) materiellen Welt eines Menschen. Es wird im sprachlichen Gebrauch meistens dem Gehirn und dem Intellekt zugeordnet (Logos). Das Ego ist die Identität oder die Persönlichkeit eines Menschen und scheint ein Gegenspieler des Herzens zu sein. Es lebt in Raum und Zeit und in Gut und Böse.

Die Essenz des Egos sind geladene Geschichten und Situationen und es ist ständig auf der Suche nach Liebe. Das Ego hat die Tendenz, alles zu untersuchen und die absolute Kontrolle über das Leben auszuüben und versucht auf jeglicher Weise, alles zu filtern und ein cleveres Spiel zu spielen. Es hat die klare Tendenz, den Mangel an allem im Leben herauszustellen und ist ständig bestrebt, Anerkennung, Annahme, Bestätigung, Wertschätzung und Sicherheit zu erlangen.

Da das Ego durch Geschichten lebt, ob positive oder negative, ist es in der Position, einen Menschen einerseits aufzubauen aber andererseits auch hoffnungslos zu demotivieren. Das heißt, dass es einem Menschen bei Geschichten entweder einen Verdienst zuschreibt oder andererseits auch leicht eine Schuld zuschreibt. Das Ego „braucht“, „vermisst“ und sieht die Trennung, die Leere und die Einsamkeit. Es „tut“ eher, anstatt „zu sein“. Es klammert sich an Geschichten, Dinge oder Personen.

Die schlechteste Seite des Egos ist in der Tat, dass es teils in einer angstgetriebenen Weise manipuliert und sogar Selbstsabotage betreiben kann. Die beste Eigenschaft wäre zum Beispiel der Ehrgeiz, mit welchem erst Pläne oder Agenda verwirklicht werden. Das Ego hat ein klares Interesse daran, Ergebnisse und Resultate zu erzielen. Um zu existieren, braucht das Ego Geschichten, egal ob positive oder negative, und es ist dementsprechend bedacht, Geschichten weiterzuführen oder gar zu multiplizieren.

Es wäre das Ziel, das Ego übersichtlich zu halten und zu verkleinern und mit dem Herzen in Regie, eine integrierte Balance zu finden, um dann den Raum und die Zeit und das Gute und das Böse zu transzendieren. Denn durch den Umstand, dass das Ego an Raum und Zeit und an Gut und Böse haftet, ist es endlich.

Dieter Geruschkat (Herausgeber)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.