Editorial: Die Schattenseite der Kunst

(Mannheim / 26.06.2017 – Ammiratus Review) In unserer Welt des Überflusses an Informationen und Inhalten, scheint es selbstverständlich zu sein, alles kostenlos zu bekommen.

(Foto: Skulptur im Lameygarten in Mannheim / Dieter Geruschkat)
(Foto: Skulptur im Lameygarten in Mannheim / Dieter Geruschkat)

Ohne zu hinterfragen konsumieren wir jene Kunst, die wir lieben. Und in erster Linie verschwenden wir keinen Gedanken an die Lebensumstände eines Künstlers, welcher hinter jedem Werk steht. Jene Menschen jedoch, die diese Kunst wirklich wertschätzen, sind auch bereit, sich mit dem Künstler und mit seinen Lebensumständen zu befassen und gegebenenfalls jenes Kunstwerk willig zu bezahlen. Aus der Sicht eines Künstlers wäre es ohne weiteres möglich, jedes erschaffene Kunstwerk zu verschenken ohne dabei auf Seiten des Kunstliebhabers auf großen Wiederstand zu stoßen. Deshalb werden professionelle Künstler früh versuchen, für Ihre erschaffenen Kunstwerke einen Gegenwert, d.h. einen angemessenen Preis, festzulegen.

Dieses gilt gleichermaßen in der Malerei als auch in der Musik und auch im Literaturbereich. Oft überlassen Künstler jedoch das Marketing oder das Geschäftliche einem Verlag; einem Kunstverlag, einem Musikverlag oder auch einem Buchverlag. Das geschieht natürlich – wie kann es anders sein – auch für einen gewissen Preis. Gottseidank hat sich der Kunstmarkt mittlerweile demokratisiert, d.h. selbst Hobbykünstler können semi-professionell oder gar professionell arbeiten. Wer dazu noch ein wenig geschäftliches Geschick mitbringt, der ist schon gut aufgestellt auf dem Markt der Künste.

Ein Künstler sollte sich und seine Kunst nie unter Wert verkaufen. Diejenigen, die es dennoch machen, werden den Markt auch für andere auf negative Weise beeinflussen. Darum sei an alle Kunstkonsumenten und Kunstliebhaber appelliert: Bitte wertschätzen sie jede Kunst! Es ist doch offensichtlich, dass ein dickes Buch für einen Euro oder fünf Euro nicht dem eigentlichen Wert entsprechen kann. Das gleiche gilt in der Musik; Songs für 0,99€ oder sogar darunter sind heutzutage eher normal.

Eine Unterstützer-Kultur der Mäzene hat ja eine lange Tradition. Und in der Tat, erhalten jene Mäzene zu einem Großteil den Kunstmarkt und somit jene Künstler am Leben. Auch Veranstalter von Musik-Events sind ein wichtiges Fundament für jene Künstler. Es sollte selbstverständlich sein, dass Musiker als Anfänger einen dreistelligen Betrag für eine Veranstaltung verlangen können. Bekanntere Künstler verlangen eben eine vierstellige Summe pro Auftritt. Und sehr bekannte Künstler werden eine fünfstellige Summe pro Auftritt verlangen.

Viele Künstler konnten sich über Jahre hinweg mit ihrem Leben als professionelle Künstler arrangieren. Andere jedoch konnten sich nicht etablieren. Und dabei spielt der Wert oder die Qualität jener Kunst keine primäre Rolle. So gesehen, hatte sicherlich einige sehr gute Kunst in diesem Sinn nie die Chance, in Erscheinung zu treten und ist wohl für immer verloren. Wir blenden diese Schattenseite der Kunst eigentlich regelmäßig aus. Seien wir doch einfach bedächtiger, was Kunst angeht und wertschätzen jeden Künstler!

Ihr
Dieter Geruschkat (Chefredakteur)

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